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Studenten lernen mit Spaced Repetition – Effektiv Lernen im Studium

(Lernen 3 von 4)

Es ist Nacht. Du ziehst dir noch einen Kaffe rein und lernst. Eigentlich bist du müde, aber bald ist die Klausur. Du hast gestern erst mit Lernen angefangen. Kennst du das so gut wie ich?

Das Big-Picture erhältst du im Video.


ÜBERSICHT
  1. Lernmethoden die beliebt aber ineffektiv sind
  2. Die Lösung: Effektive Lernmethoden
    1. Active Recall
    2. Spaced Repetition
  3. Praktische Tipps zur Umsetzung

Spaced Repetition

Spaced Repetition führt schneller zur Leistungsverbesserung und langfristig zu besserem Erinnern als Massierte Übung (Baddeley & Longman, 1978). Massierte Übung hat leider nichts mit einer angenehmen Schultermassage zu tun. Es bedeutet: Vieles auf einmal lernen.

Massierte Übung hilft weniger als eine Schultermassage

In der Studie von Baddeley & Longman (1978) sollen Mitarbeiter der Post ein neues Sortiersystem erlernen. Die Mitarbeiter wurden in 3 Gruppen eingeteilt, die jeweils in unterschiedliche Rhythmen gelernt haben.

  1. Gruppe (verteilte Übung): 1x 1h/Tag (90 Tage) = 90h insgesamt
  2. Gruppe (massierte Übung): 2x 1h/Tag (60 Tage) = 120h insgesamt
  3. Gruppe (massierte Übung): 2x 2h/Tag (30 Tage) = 120h insgesamt
Ergebnisse der Studie von Baddeley & Longman (1978)

Bei allen Gruppen ist durch Übung eine Leistungsverbesserung zu erkennen. Bei Gruppe eins verbessert sich die Leistung am schnellsten. Die Leistung war nach 90 Tagen bei der Gruppe die Spaced Repetition (in Studie spaced practice genannt) nutzten am höchsten. Zum Lernen brauchen die Probanden der Gruppe 1 am wenigsten Stunden. Spaced Repetition ist im Vergleich die effektivste Übungsstrategie (nach Baddeley & Longman, 1978)

Der optimale Zeitabstand zwischen dem Lernen

Wie lang sollte die optimale Pause zwischen verschiedenen Lernsessions sein? Diese Frage haben Wixted & Pashler (2008) untersucht. Der Versuchsaufbau ist hier kurz skizziert. Es gibt eine initale Lernphase, dann eine varrierende Lernpause und dann ein erneutes Lernen der selben Materialien. Darauf folgt nach einem festgelegten Zeitetpunkt ein finaler Test, der das Wissen über das Gelernte abfragt.

Ich fasse die wichtigsten Ergebnisse zusammen:

  • Um eine dauerhafte Erinnerung zu erreichen, müssen wir Informationen in der Regel zu verschiedenen Zeitpunkten lernen.
  • Ein zu großer Abstand zwischen Lernsessions ist besser als eine zu kurze Pause.
    • Die Leistung im finalen Test steigt stark je länger die Pause und nimmt nur langsam ab.
  • Die optimale Pause zwischen zwei Lernsessions hängt davon ab, wie lange man etwas erinnern möchte.
    • Je länger du etwas erinnern möchtest, desto länger sollte die Pause zwischen den Lernsessions sein. Die Grafik zeigt auf, dass wenn du etwas für 7 Tage erinnern willst (Retentionsintervall) und dabei nur 2x lernst, dann sollte die Gap einen Tag betragen.
    • Wenn du etwas für 35 Tage erinnern willst, dann sollte die Gap 8 Tage betragen.

Kreuz und Quer lernt besser

Lerne am besten über den Tag verteilt. Wiedersteh der Versuchung alles auf einmal fertig zu machen. Das hat mehrere Vorteile:

  • Du profitierst von Verteilter Wiederholung
  • Du profitierst vom Interleaving

Interleaving erklärt:

Du erinnerst dich besser an Inhalte, wenn du sie kreuz und quer lernst. Mische deinen Lernplan durch und wechsle zwischen den Themen.

Wenn du mit dem Lernen anfängst, ist es gut mit dem ersten Schritt zu beginnen. Dem Verstehen. Gehe nach dem 80/20 Prinzip vor. Die groben Zusammenhänge solltest du verstehen. Vertiefe dich nicht in Details. Mach lieber eine Pause und lerne später weiter. Noch besser wird es, wenn du nach der Pause mit Thema 2 beginnst und dich später in Thema 1 vertiefst. Die erste Aufgabe bleibt in der Zwischenzeit unvollendet und du hast zwei Prozesse die für dich im Hintergrund dein Lernen optimieren.

Ein Beispiel habe ich dir aufgezeichnet:

Du profitierst am Ende sogar von Active Recall (weil du Gelerntes wieder abrufst)!

—-> Praktische Tipps zum Lernen für Studenten – hier klicken

2 Antworten auf „Studenten lernen mit Spaced Repetition – Effektiv Lernen im Studium“

Guten Morgen Herr Schock,

mein Sohn (bald 12) kommt nach den Ferien in die 6. Klasse (Gymnasium), und muss sich in Deutsch und Englisch verbessern.
Ich bin mir sicher, dass er nicht das richtige Mittel / die richtige Idee zum Lernen hat, und leider auch ein bisschen „faul“ ist.
Nun bin ich auf Ihre Lernmethoden gestossen, aber man findet kaum Anhaltspunkte für die jüngeren Kids.
Haben Sie vielleicht noch eine Idee, wer oder was unterstützen könnte, den Einstieg in diese Methode zu erlernen / erleichtern?

Vielen Dank im Voraus.

Mit freundlichen Grüßen

Claudia Ströher

Hallo Claudia, schön von dir zu hören (ich hoffe Duzen ist okay für dich? Wir sind ja hier ganz entspannt auf meinem Blog unterwegs, da finde ich können wir das schon so machen 😊)

Lernen mit Active Recall und Spaced Repetition basiert auf der Idee, sich immer wieder zu testen. Das Testen verbessert dann die Lernleistung. Ich finde, das ist im Grunde genommen also eine überraschend simple Sache.

Wenn dein Sohn Vokabeln lernen möchte, kann er das ganz einfach mit Karteikarten tun (analog oder digital). Da du geschrieben hast, dass er es gerne entspannt angehen lässt, vermute ich, dass ihm die digitale Version besser gefallen könnte, weil so weniger Zeit in die Organisation des Karteikartensystems° (https://amzn.to/3hpPtgo) geht. So ist man dann schneller durch.

Auch komplexe Sachverhalte kann dein Sohn mit Karteikarten lernen. Dafür schreibt er auf die Vorderseite eine Frage, z.B. „Wie funktioniert ein kleines Ökosystem?“ – und auf die Rückseite die Antwort, die er jedes mal aufs neue versucht, in eigenen Worten wiederzugeben.

Ich lerne in der Regel mit digitalen Karteikarten und nutze dafür eine App namens Anki (https://apps.ankiweb.net). Quizlet (https://Quizlet.com) wird nachgesagt einsteigerfreundlicher und verspielter zu sein, das kostet dafür aber regelmäßig Geld. Viel Erfolg!

Einen schönen Abend euch!
Viele Grüße,
Lasse

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