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Spaced Repetition: Wie Du alles merken kannst, was Du lernst

Spaced Repetition ist eine unglaublich gute Grundlage fürs Lernen mit Active Recall – Nimm die zwei zusammen und entfessele eine unglaublich effektive Lernmethode. Ich erkläre dir, wie du Spaced Repetition in deine Lernroutine einbinden kannst.

Prüfungsvorbereitung mit Spaced Repetition – mein Video

Ich erkläre dir, wie du mit Spaced Repetition langfristig lernen kannst und stelle dir eine psychologische Studie dazu vor, um dir zu zeigen, dass das Ganze auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aufbaut. Das ist mir auf dem Blog hier sehr wichtig.

Kennst du schon meinen Blogpost zu Active Recall? Wenn nicht, dann klicke einfach hier und schau dir den zuerst an. Active Recall ist wahrscheinlich das Wichtigste, was du jetzt während deines Studiums tun kannst, um effektiv zu lernen.

In diesem Beitrag geht es um Spaced Repetition, das wahrscheinlich zweitwichtigste, was du tun kannst, um entspannt und effektiv im Studium zu lernen.

Spaced Repetition vs. Bulimielernen – Theorie und Evidenz

Max hat übermorgen eine Prüfung und bisher kaum gelernt. Den Lernstoff kloppt er sich kurz vor knapp rein, paukt was das Zeug hält und dann… Tja dann besteht er die Prüfung (HURRA)! Eine Woche später erinnert er sich aber an fast nichts mehr. Bulimielernen eben – Du kennst es wahrscheinlich.

Der große Nachteil vom Bulimielernen ist klar:

  • Information bleibt nur kurzfristig im Gedächtnis

Aber ist die Zeit mit dem Lernen verschwendet?

Ich halte es nicht unbedingt für notwendig, alle Lerninhalte langfristig im Kopf zu behalten. Frage dich, ob es dir ausreicht irgendwie durch die Prüfung zu kommen, oder ob du wirklich langfristig etwas mitnehmen willst.

Reicht’s mir, wenn ich durch die Prüfung komme und die Inhalte nach der Prüfung vergesse?

In einer idealen Welt würden wir natürlich immer alles langfristig lernen, aber sind wir ehrlich: Hier und da ist Bulimielernen einfach der bequemere und vielleicht sogar praktischere Weg.

Kurzfristiges Lernen mit Active Recall ist möglich. Bei ein paar Klausuren hab ich es besonders weit getrieben, nur 3 Tage gelernt und ein frech-gutes Ergebnis eingefahren. Wenn du aber auf lange Sicht lernen willst, dann bist du hier genau richtig. Spaced Repetition ist die Grundlage für langfristiges Lernen mit Active Recall.

Theorie: Vergessenskurve

In der Psychologie gibts seit dem 19. Jahrhundert das Konzept der Vergessenskurve, erforscht vom deutschen Psychologen Herrmann Ebbinghaus. Die hilft uns jetzt zu verstehen, wie Spaced Repetition funktioniert.

Die Idee hinter der Vergessenskurve ist, dass wir mit der Zeit exponentiell Dinge wieder vergessen. Am Anfang wissen wir noch fast alles, dann nimmt das mit der Zeit ab. So wie, wenn du kurz vor der Klausur noch paukst, während der Klausur noch eine Menge erinnern kannst und eine Woche später kaum noch was hängen bleibt.

Aber was hat Spaced Repetition jetzt damit zu tun?

Jedes Mal, wenn ich mich auf die gelernte Information teste, dann unterbreche ich die Vergessenskurve. Wenn ich mit Anki lerne, dann unterbreche ich sie in der Regel nach einem Tag, dann nach drei Tagen, dann nach einer Woche erneut.

Jede Unterbrechung der Vergessenskurve fördert den Einzug der Information in dein Langzeitgedächtnis.

Wir starten in einem engen Intervall und testen uns nach und nach seltener auf die gelernte Information. Wir bringen „space“ zwischen die einzelnen Wiederholungen der Lerninhalte. Das hilft uns Zeit zu sparen und effektiv zu lernen.

Vergessen ist Teil des Lernprozesses. Dadurch, dass wir einen Teil der gelernten Information vergessen oder erst aufwändig „zusammensuchen“ müssen, wird das Erinnern schwerer und aufwändiger. Und je aufwändiger, desto besser, denn damit wird eine wichtige Lerngrundlage für aktives Erinnern (also Active Recall) geschaffen.

Evidenz: Studie von Karpicke und Bauernschmidt (2011)

Da mir evidenzbasierten Arbeiten wichtig ist, zeige ich dir nachfolgend eine Studie zu Spaced Repetition.

  • Wer?: 96 Versuchspersonen
  • Aufgabe: 100 Swahili–English Wortpaare lernen (also Vokabeln)
  • Versuchsdesign: Vier Gruppen (lernen in unterschiedlichen Zeitabständen)
  • Frage: An wie viele Wortpaare können sie sich nach einer Woche erinnern?

Hier die Ergebnisse: 

Ergebnisse der Studie zu Spaced Repetition (Karpicke und Bauernschmidt, 2011)

Die Studis die nur einmal auf die Wortpaare getestet hatten, konnten sich an nur ca 1% der Wortpaare erinnern. Das wiederholte dreimalige Testen auf die Wortpaare direkt hintereinander brachte keinen Vorteil gegenüber dem einmaligen Testen (26 vs. 25%).

Am spannendsten ist jedoch, dass die letzte Gruppe jedes Wort sah, sich daran erinnerte und dann eine Lücke von ein paar weiteren Wörtern hatte, bevor sie sich wieder an das erste Wort erinnerte. Diese letzte Gruppe rief die Wörter in Abständen ab. Wie die Grafik zeigt, sind die Ergebnisse erstaunlich. Die Versuchspersonen, die mit Spaced Repetition gelernt haben, waren deutlich besser.

Ich finde, der für dich als Studi wichtigste Key-Takeaway aus dieser Studie ist folgender:

Über die Zeit verteilter Abruf (Spaced Repetition) hat einen riesigen Lerneffekt verglichen mit einmaligem Lernen oder massierter Übung.

Anwendung von Spaced Repetition

In der Praxis kann es ganz einfach sein, Active Recall und Spaced Repetition im Alltag anzuwenden. Nimm dir einfach Stift und Zettel und beantworte deine Active Recall Fragen oder schreibe auf einen Zettel auf, was du gelernt hast – natürlich schaust du währenddessen nicht auf deine Lernunterlagen.

Aber ich weiß, dass einige Lernmethoden für manche Menschen besser funktionieren als für andere. Die folgenden Strategien haben sich bei mir bewährt – wenn du Probleme mit dem Lernen hast, solltest du sie vielleicht einmal ausprobieren.

1. Spaced Repetition mit Anki

Die meiste Zeit meines Studiums habe ich mit Anki gelernt. Anki ist eine App für digitale Karteikarten, welche Active Recall und Spaced Repetition super miteinander verbindet. Du musst dir keinen Kopf darum machen, wann du eine bestimmte Karteikarte wiederholst, der Algorithmus erledigt das für dich. Diese Woche habe ich eine Studie gelesen, welche explizit die Wirksamkeit des Lernens mit Anki bestätigt. Tutorials zu Anki findest du auf meinem YouTube-Kanal und diesem Blog.

Wenn Anki nichts für dich ist, weil es etwas altbacken aussieht und die iOS App ca. 25 Euro kostet, dann ist das vollkommen in Ordnung. Es gibt eine riesige Auswahl an anderen Apps, die viel besser aussehen und sehr ähnliche Funktionen bieten.

2. Mein magisches Spreadsheet

Meine Empfehlung: Schreibe zu Beginn deines Semesters die Themen auf, die du lernen willst – für jedes Fach einzeln. Gehe dafür zum Beispiel deine Themenübersicht in den spezifischen Fächern durch. Da ich weiß, was auf mich zukommt, gehe ich ohne Stress organisiert an mein neues Semester.

Eine Zeit lang hab ich Ali Abdaals Magic Spreadsheet genutzt, um Spaced Repetition in meine Lernroutine zu integrieren. Mit der Zeit habe ich es auf meine Bedürfnisse angepasst, nutze es aber nur noch relativ selten, da ich dazu übergegangen bin alles in Anki zu machen. Möglicherweise hilft dir dieses Werkzeug dabei, Spaced Repetition im Studium anzuwenden.

Wir nutzen Google Docs, um eine neue Arbeitsmappe zu erstellen. Warum Google Docs und nicht Microsoft Excel?

Weil es gefühlt 5x schneller geht und viel weniger Widerstand da ist, um das zu erledigen, wofür wir gekommen sind: Einen Überblick verschaffen und systematisch zu vermerken, wie unser Lernfortschritt vorankommt.

Sinn und Zweck des Magic Spreadsheets

  1. eintragen, welches Thema wann gelernt wurde
  2. Farblich markieren wie gut du die Lerninhalte abrufen konntest (grün = gut, rot = schlecht)
  3. Abschätzen, wann das nächste mal gelernt werden sollte (je besser desto längere Pause)

Außerdem erhältst du einen Überblick darüber, welche Karteikarten du bereits in Anki hinzugefügt hast.

Lasses‘ Magic Spreadsheet – Eine Variation von Ali Abdaals Magic Spreadsheet

Das Dokument ist wie folgt aufgebaut:

  • A Spalte = Themenüberblick
  • B Spalte = Karteikarten zu Anki hinzugefügt? Ja oder nein
  • Spalten C und folgende = Datum und Farbe eintragen

Das Magic Spreadsheet ist ein Instrument was du nutzen kannst, generell empfehle ich das Lernen mit Anki und Karteikarten, wie in diesem Beitrag erklärt.

Zusammenfassung

  • Active Recall und Spaced Repetition ergeben eine geniale Kombination, welche dir erlaubt effizient und effektiv zu studieren.
  • Spaced Repetition ist besser als Pauken – sogar innerhalb einer einzigen Lernsitzung.
  • Das „Magic“ Spreadsheet ist einfach aufgebaut, zeigt dir visuell, wo du in den einzelnen Fächern stehst, und ermöglicht es dir, deine täglichen Lernpläne effektiver zu gestalten.

Wenn dir das gefällt…

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2 Antworten auf „Spaced Repetition: Wie Du alles merken kannst, was Du lernst“

Guten Morgen Herr Schock,

mein Sohn (bald 12) kommt nach den Ferien in die 6. Klasse (Gymnasium), und muss sich in Deutsch und Englisch verbessern.
Ich bin mir sicher, dass er nicht das richtige Mittel / die richtige Idee zum Lernen hat, und leider auch ein bisschen „faul“ ist.
Nun bin ich auf Ihre Lernmethoden gestossen, aber man findet kaum Anhaltspunkte für die jüngeren Kids.
Haben Sie vielleicht noch eine Idee, wer oder was unterstützen könnte, den Einstieg in diese Methode zu erlernen / erleichtern?

Vielen Dank im Voraus.

Mit freundlichen Grüßen

Claudia Ströher

Hallo Claudia, schön von dir zu hören (ich hoffe Duzen ist okay für dich? Wir sind ja hier ganz entspannt auf meinem Blog unterwegs, da finde ich können wir das schon so machen 😊)

Lernen mit Active Recall und Spaced Repetition basiert auf der Idee, sich immer wieder zu testen. Das Testen verbessert dann die Lernleistung. Ich finde, das ist im Grunde genommen also eine überraschend simple Sache.

Wenn dein Sohn Vokabeln lernen möchte, kann er das ganz einfach mit Karteikarten tun (analog oder digital). Da du geschrieben hast, dass er es gerne entspannt angehen lässt, vermute ich, dass ihm die digitale Version besser gefallen könnte, weil so weniger Zeit in die Organisation des Karteikartensystems° (https://amzn.to/3hpPtgo) geht. So ist man dann schneller durch.

Auch komplexe Sachverhalte kann dein Sohn mit Karteikarten lernen. Dafür schreibt er auf die Vorderseite eine Frage, z.B. „Wie funktioniert ein kleines Ökosystem?“ – und auf die Rückseite die Antwort, die er jedes mal aufs neue versucht, in eigenen Worten wiederzugeben.

Ich lerne in der Regel mit digitalen Karteikarten und nutze dafür eine App namens Anki (https://apps.ankiweb.net). Quizlet (https://Quizlet.com) wird nachgesagt einsteigerfreundlicher und verspielter zu sein, das kostet dafür aber regelmäßig Geld. Viel Erfolg!

Einen schönen Abend euch!
Viele Grüße,
Lasse

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