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Active Recall Lernmethode einfach erklärt

Beim Lernen kocht jeder sein eigenes Süppchen. Bestärkt durch Halbwissen, gut gemeinte Ratschläge und falsche Informationen entwickelt jeder mit der Zeit seine eigene Lerntechnik. Was aber, wenn die Forschung seit einiger Zeit recht eindeutige Ergebnisse hat, was die effektivsten Lernmethoden sind?

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Mit der effektiven Lernmethode Active Recall lernen die High Performer und Top-Studierenden weltweit. Warum das so ist und wie Active Recall funktioniert, erkläre ich dir in diesem Beitrag. Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen.

Falls du eher auf Videos stehst: Hier findest du mein Video zum Lernen mit Active Recall.

Lasse Schock – Video zum Lernen mit Active Recall

Active Recall erklärt

Active Recall ist eine einfache und effektive Lernmethode. Sie basiert auf dem Abruf von Informationen aus deinem Gedächtnis. Der Abruf von Informationen stärkt die Assoziationen zwischen den Nervenzellen in deinem Gehirn. Je stärker du nachdenkst und versuchst dich zu erinnern, desto stärker verbinden sich die Gehirnzellen und desto besser wirst du lernen (Bliss & Lømo (1973).

Die Grundlage für sinnvolles Lernen mit Active Recall ist das Verstehen.

Nur, wenn du etwas wirklich verstanden hast, wirst du die Inhalte auch Monate später noch im richtigen Zusammenhang abrufen können. Dafür musst du die Lerninhalte sinnvoll einordnen und mit Anderem in Verbindung bringen können.

  • EXKURS: Ein Zettelkasten ist ein geeignetes Werkzeug, um Gelerntes schriftlich miteinander in Verbindung zu bringen. So kannst du dir quasi ein zweites Hirn aufbauen. Für mehr Informationen dazu schau mein Video: BESSERE Notizen machen mit Roam Research – YouTube

Es gibt eine ganz einfache Möglichkeit, Active Recall anzuwenden um sich alles zu merken: Mit Karteikarten in Anki kannst du dich auf deine Lerninhalte testen und sehr effektiv lernen. Mehr dazu im folgenden Abschnitt.

Active Recall mit Anki Karteikarten

Hast du schonmal mit Karteikarten gelernt? Du versuchst, die Antwort aus deinem Gehirn abzurufen, bevor du auf der Rückseite der Karte nachschaust, inwiefern deine Antwort richtig war. Wenn du mit Karteikarten lernst, rufst du Information aus deinem Gedächtnis ab (du testest dich also). Das Testen verbessert deine Erinnerungsleistung.

Ich hab ein Video erstellt, um dir zu helfen gute Active Recall Fragen zu stellen.

Besser fragen, besser lernen! | Active Recall Karteikarten mit Anki erstellen
Nicht Wissen = Nicht Schlimm!

Es gibt gute Neuigkeiten! Wenn du die Antwort nicht weißt und deine Anki-Karteikarte nicht richtig beantworten kannst, ist das nicht schlimm.

Warum?

Diese Ergebnisse zeigen, dass Abrufversuche (also Active Recall bzw. aktives Testen) das zukünftige Lernen verbessern. Die Ergebnisse deuten auch darauf hin, dass das Absolvieren von herausfordernden Tests – anstatt Fehler zu vermeiden – ein Schlüssel zu effektivem Lernen sein könnte.

Kornell, Hays & Bjork (2009) – Anmerkungen in Klammern – Übersetzt mit Deepl.com

Wenn du dich testest, hat das in jedem Fall eine positive Wirkung auf deinen Lernfortschritt. Auch, wenn du Fehler machst.

vgl. Ergebnisse von Hays & Bjork (2009)

Das Wichtigste zum Lernen mit Active Recall

  1. Teste dich auf Fragen, obwohl du die Antwort nicht weißt:
    • Bevor du deine Vorlesung oder den Lerninhalt intensiv durchgehst, kannst du dir Fragen überlegen, die du zum jetzigen Zeitpunkt nicht richtig beantworten kannst. Zum Beispiel: „Wie unterscheiden sich Motivation und Volition?“.
  2. Teste dich auf herausfordernde Fragen, auch wenn du sie vielleicht falsch beantworten wirst.
    • Wenn du eine Frage falsch beantwortest, lernst du trotzdem dazu. Dir muss nur klar werden, dass die Antwort, die du gegeben hast nicht die Richtige war. Das ist aber insbesondere beim Lernen mit Karteikarten kein Problem, da du deine Antwort mit der korrekten Antwort auf der Rückseite der Karteikarte vergleichen kannst.

Je angestrengter du versuchst Informationen aus deinem Gehirn abzurufen, desto stärker verbinden sich deine Gehirnzellen und desto mehr wirst du dazulernen. Lass dich also nicht entmutigen (Bliss & Lømo, 1973). Hör auf, die Fehler persönlich zu nehmen und heiße sie in deinem Lernprozess willkommen.

Warum fallen wir Sir?
Damit wir lernen können, uns wieder aufzurappeln.

Zitat aus Batman Begins

Was gibt es für Evidenz für Active Recall?

Forschende haben recht viel Evidenz für Active Recall gefunden. Damit die Ergebnisse vieler hundert Studien miteinander verglichen werden können, werden Metaanalysen durchgeführt. Eine solche Metaanalyse haben Dunlosky, Rawson, Marsh, Nathan & Willingham (2013) gemacht. Sie weisen Active Recall eine hohe Effektivität zu.

Die Versuchspersonen sollten in Übungstests bestimmte Lerninhalte abrufen. Hierbei handelt es sich also um Active Recall. Die Übungstests sind vergleichbar mit Vokabeltests oder ähnlichem, also Tests wie du sie vielleicht aus der Schule kennst.

Das hier schreiben Dunlosky und Kollegen (2013) in ihrer Studie zu Übungstests (Active Recall):

Die Testeffekte wurden über eine beeindruckende Bandbreite von Übungstestformaten, Materialarten, Alter der Lernenden, Ergebnismessungen und Aufbewahrungs-intervallen nachgewiesen. Somit haben Übungstests eine breite Anwendbarkeit.

Übungstests sind im Vergleich zu anderen Techniken nicht besonders zeitintensiv, und sie können mit minimalem Schulungsaufwand durchgeführt werden. Schließlich haben mehrere Studien Belege für die Wirksamkeit von Praxistests in repräsentativen Bildungskontexten geliefert.

Dunlosky et al. (2013) – Übersetzt mit Deepl.com

Im nachfolgenden schauen wir uns zwei psychologische Studien im Detail an. Viel Spaß beim Lesen.

Psychologische Studien im Detail

Ich stelle dir nun ein paar wissenschaftliche Studien vor, die zeigen, warum das Lernen mit dieser effektiven Lernmethode so gut funktioniert. Es ist schließlich kein Zufall, dass Anki unter Nerds (zu denen zähl ich mich) ein weit verbreitetes Tool ist.

Studie #1: Active Recall vor 80 Jahren

Herbert Spitzer hat 1939 mit ca. 3600 Schülern untersucht, wie sich ein Übungstest auf die Lernleistung auswirkt.

Die Schüler sollten ihnen unbekannte Artikel lesen und sollten im Anschluss entweder einen Tag oder eine Woche später eine „finale“ Prüfung ablegen, also einen Test machen, der Inhalte des Artikels abfragt.

Es gab zwei Gruppen:

  • Experimentalgruppe (blau): bearbeitete nach dem Lesen einen Test, der Wissen abfragt (also einen „Übungstest“).
  • Kontrollgruppe (orange): Nichts machen, nachdem der Artikel gelesen wurde.

Ergebnisse von Studie #1

In der Grafik ist jeweils das leistungsstärkste und das leistungsschwächste Drittel der Klassen abgetragen. Es ist angegeben, ob die Schüler die „finale Prüfung“ einen Tag später oder eine Woche später geschrieben haben.

Lernen mit und ohne Übungstest (Spitzer, 1939)
  • In allen Bedingungen ist die Experimentalgruppe (die nach dem Lernen einen Übungstest gemacht hat) deutlich leistungsstärker in der finalen Prüfung als die Kontrollgruppe (die keinen Übungstest gemacht hat).
  • Die Active Recall-Gruppe hat auch nach einer Woche noch bessere Erinnerungen an das Gelesene als die Kontrollgruppe.

Active Recall, also sich selbst zu testen oder einen Test zur Übung zu machen, steigert die finale Testleistung im Vergleich zur Kontrollgruppe um ca. 30 – 40 Prozent.

Studie #2 – Wie verhält sich Active Recall bei Transferaufgaben

Die Forscher Karpicke & Blunt haben 2011 in einer Studie verschiedene Lernmethoden miteinander verglichen.

Die Probanden, die mit Active Recall lernen, schneiden am besten ab. Sowohl im wortwörtlichen Test, wo wenig Verständnis nötig ist, um zu punkten, als auch im Inferenz-Test.

Die 4 Experimentalgruppen:

  1. Lernen = Lernen wie sonst auch
  2. wiederholtes Lernen = so lernen wie sonst auch, aber 2x
  3. Mind Map = Konzeptgrafik erstellen und damit lernen
  4. Abrufübung = Active Recall (sich auf gelesene Information testen)

Die Leistung wurde in einem wortwörtlichen, Wiedererkennungs-Test und in einem Inferenz-Test gemessen. Im Inferenztest müssen die Lerninhalte abstrahiert werden, also mit anderen Dingen in Verbindung gebracht werden.

Ergebnisse Studie #2

Die Probanden, die mit Active Recall lernen, schneiden in dieser Studie am besten ab. Sowohl im wortwörtlichen Test, wo wenig Verständnis nötig ist, um zu punkten, als auch im Inferenz-Test liegt die „Abrufübung“ Gruppe vorne.

Im Vergleich zum „normalen Lernen“ finden sich mehr als doppelt so hohe Leistungswerte für die Active Recall Gruppe. Im Vergleich zum wiederholten Lernen sind die Werte um ca. 20 % höher. Und das ohne mehr Aufwand!

Lernmethoden im Vergleich (Karpicke & Blunt, 2011)

Bist du noch skeptisch? Das ist ganz normal. Die Probanden in der obigen Studie haben übrigens geschätzt, dass Active-Recall-Lernen deutlich weniger nützt als wiederholtes Lernen. 

Ich weiß ja nicht wie es dir geht, aber wenn ich weiß, dass ich ohne mehr Zeit aufzuwenden, mehr als doppelt so viel lernen kann, dann finde ich das schon einen ganz schönen Hammer!

Active Recall ist die beste Lernmethode. Mit Active Recall erreichst du höhere Leistung als mit vergleichbaren Lernmethoden und benötigst weniger Zeit

Karpicke & Blunt (2011) & Dunlosky et al. (2013)

Wenn du Active Recall mit Spaced Repetition kombinierst, kannst du noch mehr drehen und deine Effektivität steigern. Aber eins nach dem anderen. Jetzt hast du dir erstmal einen Keks verdient und schon eine ganze Menge neue Information hinzugewonnen.

Vielen Dank, dass du bis zum Ende gelesen hast. Ich freu mich extrem, dass du da bist und mir hilfst, meinen Traum zu leben. Schau dir meine Sonntagsschnipsel an und erfahre mehr darüber, wie ich glücklich, bewusst und produktiv lebe: https://email.lasseschock.de

→ Mit Spaced Repetition noch effektiver lernen

4 Antworten auf „Active Recall Lernmethode einfach erklärt“

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