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Als Student*in mit Active Recall lernen und sich alles merken

(Lernen 2 von 4)

Beim Lernen kocht jeder sein eigenes Süppchen. Bestärkt durch Halbwissen, gut gemeinte Ratschläge und falsche Informationen entwickelt jeder mit der Zeit seinen eigenen Stil und seine eigene Methodik. Was aber, wenn die Forschung seit einiger Zeit relativ eindeutige Ergebnisse hat, was die effektivsten Lernmethoden sind?

Lasse Schock – Video zu Active Recall

Active Recall erklärt

Active Recall ist eine einfache und effektive Lernmethode. Active Recall basiert auf dem Abruf von Information aus dem Gedächtnis. Der Abruf von Informationen stärkt die Assoziationen zwischen den Nervenzellen in deinem Gehirn. Je stärker du nachdenkst und versuchst dich zu erinnern, desto stärker verbinden sich die Gehirnzellen und desto besser wirst du lernen (Bliss & Lømo (1973).

Du kannst dich auf Gelerntes oder zu Verstehendes testen. Das ist die einfachste Möglichkeit Active Recall umzusetzen. Das geht zum Beispiel mit Karteikarten in Anki.

Die Grundlage für sinnvolles Lernen mit Active Recall ist das Verstehen.

Nur, wenn du etwas wirklich verstanden hast, wirst du die Inhalte auch Monate später noch im richtigen Zusammenhang abrufen können. Du musst die Dinge sinnvoll einordnen und mit Anderem in Verbindung bringen können.

Active Recall mit Anki Karteikarten

Hast du schonmal mit Karteikarten gelernt? Du versucht die Antwort abzurufen, bevor du auf der Rückseite der Karte nachschaust, inwiefern du richtig antworten konntest. Du testest dich also mit Karteikarten. Du versuchst, den richtigen Inhalt abzurufen (du testest dich also), und das verbessert deine Leistung.

Nicht Wissen = Nicht Schlimm!

Wenn du etwas nicht weißt, oder deine Karteikarte nicht richtig beantworten kannst, ist das gar nicht schlimm.

Warum?

Wenn du dich testest, hat das in jedem Fall eine positive Wirkung auf deinen Lernfortschritt. Auch wenn du Fehler machst.

vgl. Hays & Bjork (2009)

Diese Ergebnisse zeigen, dass Abrufversuche (also Active Recall bzw. sich zu Testen) das zukünftige Lernen verbessern. Die Ergebnisse deuten auch darauf hin, dass das Absolvieren von herausfordernden Tests – (im Gegensatz zu einfachen Tests die man machen könnte) um Fehler zu vermeiden – ein Schlüssel zu effektivem Lernen sein kann.

Kornell, Hays & Bjork (2009) – Anmerkungen in Klammern – Übersetzt mit Deepl.com

Was lernen wir daraus?

  • Teste dich auf Fragen obwohl du die Antwort nicht weißt
    • Beispiel: Bevor du die Vorlesung oder den Lerninhalt intensiv durchgehst, kannst du dir Fragen überlegen, die du zum jetzigen Zeitpunkt nicht richtig beantworten kannst. Zum Beispiel: „Wie unterscheiden sich Motivation und Volition?“
  • Teste dich auf herausfordernde Fragen, auch wenn du sie vielleicht falsch beantworten wirst.
    • Ich bin für eine Welt in der wir alle selbstbewusster sind. Du auch?
      Wenn du eine Frage falsch beantwortest, lernst du trotzdem dazu. Dir muss nur klar werden, dass die Antwort die du gegeben hast nicht die Richtige war.
    • Das ist aber insbesondere beim Lernen mit Karteikarten kein Problem, da du deine Antwort mit der korrekten Antwort auf der Rückseite der Karteikarte vergleichen kannst.
    • Sich zu testen hat in jedem Fall eine positive Wirkung auf das Lernen, auch wenn wir Fehler machen. Also hör auf die Fehler persönlich zu nehmen und integriere sie in deinen Lernprozess.

Warum Fallen wir Sir?
Damit wir lernen können, uns wieder aufzurappeln.

Batman Begins

Je angestrengter du versuchst Informationen aus deinem Gehirn abzurufen, desto mehr verbinden sich deine Gehirnzellen und desto mehr wirst du dazulernen. Lass dich also nicht entmutigen (vgl. Bliss & Lømo, 1973).

Buchtipp: Das merk ich mir!: Erfolgreich lernen und für immer behalten mit der Make-it-stick-Methode °

Was gibt es für Evidenz für Active Recall?

Die Metaanalyse von Dunlosky, Rawson, Marsh, Nathan & Willingham (2013) bewertet die Effektivität von Active Recall als hoch.

In dieser Studie wurde Active Recall mit Selbst-Tests oder Übungstests erfasst, wie du sie vielleicht noch aus der Schule kennst. Eben keine richtige Prüfung, aber ein spontaner Vokabeltest, der alle von den Socken haut

Testeffekte wurden über eine beeindruckende Bandbreite von Übungstestformaten, Materialarten, Alter der Lernenden, Ergebnismessungen und Aufbewahrungs-intervallen nachgewiesen. Somit haben Übungstests eine breite Anwendbarkeit.

Übungstests sind im Vergleich zu anderen Techniken nicht besonders zeitintensiv, und sie können mit minimalem Schulungsaufwand durchgeführt werden. Schließlich haben mehrere Studien Belege für die Wirksamkeit von Praxistests in repräsentativen Bildungskontexten geliefert.

Dunlosky et al. (2013) – Übersetzt mit Deepl.com

Im nachfolgenden schauen wir uns einzelne Studien detaillierter an.

Studien zu Active Recall

Ich stelle dir nun ein paar wissenschaftliche Studien vor, die zeigen, warum du mit Active Recall effektiv lernen kannst.

Studie #1: Active Recall vor 80 Jahren

Herbert Spitzer hat 1939 mit ca. 3600 Schülern untersucht, wie sich ein Übungstest auf die Leistung auswirkt.

Die Schüler sollten ihnen unbekannte Artikel lesen und sollten im Anschluss entweder einen Tag oder eine Woche später eine „finale“ Prüfung ablegen, also einen Test machen, der Inhalte des Artikels abfragt.

Es gab zwei Gruppen:

  • Experimentalgruppe (blau): bearbeitete nach dem Lesen einen Test, der Wissen abfragt (also einen „Übungstest“).
  • Kontrollgruppe (orange): Nichts machen, nachdem der Artikel gelesen wurde.

Ergebnisse

In der Grafik ist jeweils das das leistungsstärkste und das leistungsschwächste Drittel der Klassen abgetragen. Es ist angegeben, ob die Schüler die „finale Prüfung“ einen Tag später oder eine Woche später geschrieben haben.

Lernen mit und ohne Übungstest (Spitzer, 1939)
  • In allen Bedingungen ist die Experimentalgruppe (die nach dem Lernen einen Übungstest gemacht hat) deutlich leistungsstärker in der finalen Prüfung als die Kontrollgruppe (die keinen Übungstest gemacht hat).
  • Die Active Recall-Gruppe hat auch nach einer Woche noch bessere Erinnerungen an das Gelesene als die Kontrollgruppe.

Active Recall, also sich selbst zu testen oder einen Test zur Übung zu machen, steigert die finale Testleistung im Vergleich zur Kontrollgruppe also ca. um 30-40 Prozent.

Studie #2 – Wie verhält sich Active Recall bei Transferaufgaben

Die Forscher Karpicke & Blunt haben 2011 in einer Studie verschiedene Lernmethoden miteinander verglichen.

Die Probanden, die mit Active Recall lernen, schneiden am besten ab. Sowohl im wortwörtlichen Test, wo wenig Verständnis nötig ist um zu punkten als auch im Inferenz-Test.

Die Gruppen im Experiment erklärt:

  • Es gab vier Gruppen:
  1. Lernen = Lernen wie sonst auch
  2. wiederholtes Lernen = so lernen wie sonst auch, aber zwei mal.
  3. Mind Map = Konzeptgrafik erstellen und damit lernen
  4. Abrufübung = Active Recall (sich auf gelesene Information testen)

Die Leistung wurde in einem wortwörtlichen, Wiedererkennungs-Test und in einem Inferenz-Test gemessen. Im Inferenztest müssen die Lerninhalte abstrahiert werden, also mit anderen Dingen in Verbindung gebracht werden.

Ergebnisse

Die Probanden, die mit Active Recall lernen, schneiden in dieser Studie am besten ab. Sowohl im wortwörtlichen Test, wo wenig Verständnis nötig ist um zu punkten als auch im Inferenz-Test.

Im Vergleich zum „normalen Lernen“ finden sich mehr als doppelt so hohe Leistungswerte für die Active Recall Gruppe. Im Vergleich zum wiederholten Lernen sind die Werte um ca. 20% höher. Und das ohne mehr Aufwand!

Lernmethoden im Vergleich (Karpicke & Blunt, 2011)

Hier ganz rechts siehst du übrigens die Schätzungen der Probanden, wie ihre Ergebnisse ausfallen.

Geschätzt wurde, dass Active Recall ziemlich wenig bringt, deutlich weniger als wiederholtes Lernen. Schau mal inwiefern das übereinstimmt.

Ich weiß ja nicht wie es dir geht, aber wenn ich höre, dass ich ohne mehr zu tun, deutlich mehr lernen kann, dann finde ich das schon einen ganz schönen Hammer und werde das umsetzen.

Active Recall ist die beste Lernmethode. Mit Active Recall erreichst du höhere Leistung als mit vergleichbaren Lernmethoden und benötigst weniger Zeit

Karpicke & Blunt (2011) & Dunlosky et al. (2013)

Wenn du Active Recall mit Spaced Repetition kombinierst, kannst du deine Effektivität steigern.

  • Es gibt eine andere Lernmethode, die eine eine besonders hohe Effektivität und Nützlichkeit aufweist. Weißt du noch welche das ist?

→ Mit Spaced Repetition verteilt lernen

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